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Belize
Land der Maya

Vergangene Hochkulturen haben auf mich schon immer eine ganz besondere Faszination ausgeübt. Der magische Hauch mysteriöser Geschichte weht mich immer wieder an, wenn ich die geheimnisumwitterten Relikte längst vergangener Tage sehen kann oder, mit viel Glück, manchmal sogar berühren darf. Deshalb wollte ich schon immer mal nach Belize reisen. Es war mein Traum, einmal in meinem Leben das mit eigenen Augen zu sehen, was von den legendären Maya übrig geblieben ist. Und genau diesen Wunschtraum habe ich mir schließlich erfüllen können.

Belize empfing mich mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Da ich meine Zeit hier überwiegend mit der Besichtigung der Maya-Ruinen verbringen wollte, hatte ich mir die winterliche Trockenzeit dieses tropischen Paradieses als persönliche Besuchszeit ausgesucht. Das kostete zwar insgesamt etwas mehr Geld, aber einige Maya-Anlagen wären während der Regenzeit nicht zugänglich gewesen. Und ich wollte mir schließlich nichts entgehen lassen, nur um am falschen Fleck sparen zu können.

Meine Unterkunft war einfach, aber sauber und gemütlich und ich fand dort alles vor, was ich brauchte. Schließlich wollte ich hier ja auch nicht residieren, sondern nur schlafen, mich frisch machen und die Kleidung wechseln. Meine Chinos, die T-Shirts und die frische Unterwäsche waren rasch im Schrank verstaut. Natürlich hatte ich auch einen Hut mitgenommen, der mir nicht nur eine verwegene Ähnlichkeit mit Indiana Jones verlieh, sondern mich auch bei meinen Exkursionen auf den Spuren der Maya vor einem Sonnenbrand schützen sollte. Und einen Rucksack hatte ich auch mitgenommen, um als Selbstversorger meine Marschverpflegung griffbereit am Mann haben zu können.

Bei einem lizensierten Veranstalter hatte ich für den nächsten Tag eine Tour zu den Ruinen von Altun Ha gebucht. Hier pflegten die Maya ihre Zeremonien abzuhalten und dieser Ort ist seit seiner Wieder-Entdeckung durch besonders intensive Ausgrabungen für neugierige Hobbyhistoriker wie mich wieder recht gut zugänglich geworden. Staunend und ehrfürchtig durchschritt ich die beeindruckenden Gassen und die zwei Hauptplazas und betrachtete dabei fasziniert die von großen handwerklichem Geschick zeugende Art und Weise, mit der die Maya ihre Baumaterialien eingesetzt haben. Die zahlreichen Tempel und Wohnstätten, die auch heute noch erstaunlich gut erhalten sind, vermittelten mir einen berührenden Eindruck von dem Leben, das hier einmal geblüht haben muss.

Auf die Besichtigung der Ruinen von Caracol hatte ich mich besonders gefreut, denn es war gar nicht so leicht, an eine Besuchsgenehmigung zu kommen. Man braucht dazu eine offizielle behördliche Erlaubnis und muss dann zusätzlich noch das Glück haben, einen der wenigen heiß begehrten Plätze auf der Besucherliste zu ergattern. Glücklicherweise hatte mein Reiseveranstalter für alles sorgen können und meinem neuen Abenteuer stand nichts mehr im Wege.

Schon die Fahrt zu den Ruinen von Caracol war eine Sensation. Zwar habe ich als verwöhnter Europäer eine gänzlich andere Vorstellung von einer befestigten Straße, als dies in Belize der Fall ist, aber die traumhafte Landschaft versöhnte mich mit jedem einzelnen Schlagloch. Alles, was man über die farbenprächtige Schönheit der Tropen sagen kann, habe ich während dieser holperigen Fahrt gesehen. Der Regenwald, der Caracol umgibt, beherbergt zahllose Pflanzen und Tiere und ist von wilder ungezähmter Pracht. Und der Anblick der über 40 Meter hohen Pyramide „Canaa“ am Ziel der Reise entschädigte mich nicht nur für alle Strapazen, sondern ließ sie mich komplett vergessen. Dieses erhabene Zeugnis früher Architekturkunst ist, soweit mir bekannt ist, auch heute noch das höchste künstliche Gebäude in Belize. Diese Anlage ist wirklich einmalig schön und buchstäblich atemberaubend.

Die Ruinen von Cerros waren der nächste Punkt auf meiner Liste. Da ich mir die Trockenzeit ausgesucht hatte, konnte ich einen Landweg dorthin genießen, der mich an einigen kleinen malerischen Dörfern und einer wunderbaren Lagune vorbeiführte. An meinem Ziel angekommen erkundete ich staunend die drei großen Akropolen, die mächtigen Plazas und die flankierenden Pyramiden der Anlage. Und natürlich ließ ich mir auch den sensationellen Ausblick nicht entgehen, der sich dort auf einem über 20 Meter hohen begehbaren Gebäude darbietet.

Am nächsten Tag hatte ich die beeindruckenden Ruinen von Lamanai auf dem Programm. Hier haben die Maya über 3000 Jahre lang kontinuierlich gelebt und regelmäßig ihre Zeremonien abgehalten. Eingebettet in einen herrlichen tropischen Regenwald lag die stolze Anlage da und belohnte mich, nachdem ich die steil aufragende Tempelanlage wacker erklommen hatte, mit einer absolut grandiosen Aussicht. Obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon viel gesehen und erlebt hatte, muss ich doch sagen, dass ich die Präsenz der Maya nirgends so sehr gespürt hatte wie hier, hoch auf dem Tempel, im Angesicht der ganzen tropischen Fülle.

Nach Lubaantun zu kommen war gar nicht so leicht, aber ich hatte einen guten Reiseveranstalter aufgetan, der für mich alles Erforderliche arrangieren konnte. Und es war wirklich eine ganz einmalige Erfahrung, die sage und schreibe 11 Hauptkomplexe und deren fünf Hauptplazas voller Entdeckerdrang zu ergründen. Besonders beeindruckt hatte mich hier die außergewöhnliche Bauweise. Die Arbeiter haben dort seinerzeit keinerlei Mörtel gebraucht, sondern die einzelnen Mauersteine so perfekt aufeinander ausgerichtet und zusammengefügt, dass die Bauten dem Zahn der Zeit völlig ohne Bindemittel trotzen konnten. Eine absolut sensationelle Kulturleistung, wie ich meine.

Die Ruinen von Xunantunich sollten die letzte Station meiner persönlichen Abenteuerreise durch das quasi antike Belize werden. Hier waren meine Qualitäten als „Bergziege“ gefordert, denn auf den knapp zwei Kilometern von dort, wo die Fähre anlegt, bis hinauf zur Anlage herrscht eine stellenweise ziemlich giftige Steigung. Aber ich wusste, dass mich diese Ruinen für sämtliche Aufstiegsqualen reichlich entschädigen würden.

Xunantunich präsentierte mir sechs Hauptplazas und mehr als 25 Prunkbauten, sprich Paläste und Tempel. Am Südrand erhebt sich die Pyramide El Castillo auf 40 Meter Höhe. Das fand ich schon sehr beeindruckend, auch wenn Canaa da nach Punkten klar vorne liegt.

Mit dem Kopf voller faszinierender neuer Eindrücke und dem Koffer voller durchgeschwitzter Wäsche trat ich schließlich körperlich erschöpft, aber überglücklich meine viel zu schnell herbei gekommene Heimreise an. Fotos hatte ich keine gemacht. Die Maya und die übrig gebliebenen stummen Rätsel ihrer Vergangenheit werden von jetzt an ein lebendiger Teil meiner ganz persönlichen wunderbaren Erinnerung an Belize sein.

jürgen 04.2009

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